Erfahrungsbericht über einen Besuch der neunten und zehnten Klassen der Erich-Kästner-Schule Ostfildern zur KZ-Gedenkstätte Dachau

Dieses Jahr stand im Dezember der Besuch der KZ-Gedenkstätte in Dachau an. Mit dabei waren die neunten und zehnten Klassen. Doch mit einem vergnüglichen Klassenausflug hatte das wenig zu tun. m 7.50 Uhr fuhren alle Klassen mit ihren Lehrern, auf zwei Busse verteilt, los. Nach ca. zweieinhalb Stunden hatten wir unser Ziel ohne größere Staus erreicht.Die vier Klassen wurden in drei Gruppen eingeteilt mit jeweils einem eigenen ‚,Guide‘‘. Zuerst standen wir auf dem „Appellplatz“ des ehemaligen KZ-Geländes. Hier mussten die Häftlinge bei jedem Wetter stundenlang stehen um sich zählen zu lassen. Das kalte Wetter gab uns eine eindrückliche Vorstellung davon, welchen Strapazen die Gefangenen, die meist nur dünne Häftlingskleider anhatten, oft Stunden und Tage ausgesetzt waren.

Da das KZ nach Beendigung des ,,Dritten Reiches‘‘ als Flüchtlingslager diente, sind die originalen Baracken nicht mehr vorhanden. Die leeren Flächen, auf denen nur die Umrisse der Gebäude nachgestellt waren, vermittelten einen Eindruck von einer Tristesse. Zwei nachgebaute Baracken sollten das beengte Wohnen der Eingesperrten zeigen. Auf den ersten Blick sahen die Baracken von innen wie etwas unbequemere Jugendherbergen aus, doch durch die Einzelheiten und erschreckenden Zahlen, die wir durch unseren „Guide“ erfuhren, wurde uns klar, dass hier oft grauenhafte Zustände herrschten. In den ursprünglich für 6.000 Häftlinge konzipierten Baracken wurden gegen Ende des Krieges über 30.000 Gefangene zusammengepfercht. Sehr bewegend waren auch die Gaskammern und die Krematorien, die noch im Originalzustand erhalten sind. Während die Gaskammern wahrscheinlich nie benutzt wurden (warum – ist bis heute ungeklärt), waren die Krematorien ständig in Betrieb, da es aufgrund von Überanstrengung, Krankheiten, Hunger, Selbstmord und Erschießungen viele Tote gab. In diesem etwas abseits gelegenen Bereich befinden sich auch viele  Denkmäler, sowie ein jüdischer Friedhof.

Krematorium

Teil der gemeinsamen KZ-Besichtigung war auch ein Film mit Originalaufnahmen von der Befreiung des KZs durch die US-Soldaten. Außerdem berichteten viele Zeitzeugen und ehemalige Häftlinge über ihre Zeit im KZ. Die Botschaft des Filmes war, nie zu vergessen, was damals geschehen ist und sich dafür einzusetzen, dass so etwas nie wieder vorkommt.Das Museum enthielt viele Schautafeln. Sie beschrieben die historische Geschichte des KZs, die Regeln und das Leben der Gefangenen im KZ genauer. In dem Bunker, in dem früher Sträflinge in Einzelhaft genommen wurden, waren Tafeln von bekannten Inhaftierten und SS-Männern ausgestellt. Die Informationen waren sehr interessant, aber zu reichhaltig, um alles in der kurzen Zeit aufzunehmen. Um 14.30 Uhr fuhren wir von der Gedenkstätte wieder zurück. Das schlechte Wetter und auch unsere durch das KZ eher gedrückte Stimmung führten dazu, dass wir  die Zeit kaum genießen konnten.

aus Menschen geflochtener Stacheldrahtzaun

Auf der Rückfahrt hatten wir dann noch viel Zeit, das Erlebte zu verarbeiten.Unserer Meinung nach war diese Besichtigung sehr interessant. Es ist wichtig, dass wir uns nicht schuldig fühlen. Die Gedenkstätte gab aber ein eher umgekehrtes Gefühl. Nicht zuletzt durch die beeindruckenden Denkmäler am ehemaligen Appellplatz, die aus einem aus Menschen geflochtenen Stacheldrahtzaun und einer Gedenktafel mit den Worten „Nie wieder“ in fünf verschiedenen Sprachen besteht.

Gedenktafel ,,Nie wieder‘‘ in fünf Sprachen

Alles in allem war es sehr eindrücklich das ehemalige KZ vor Ort zu besichtigen und wir sind froh diesen Ausflug unternommen zu haben.

Laura Meyer , Dario Todorov (Klasse 10b)                                                                                         Januar 2017